Blockchain

Blockchain im Gesundheitswesen – EU-Forschungsbericht in der Zusammenfassung

Das EU Blockchain Observatory hat seinen fünften Forschungsbericht zum Thema „Blockchain-Anwendungen im Gesundheitswesen“ vorgelegt. Das Dokument hebt dabei explizit das Potenzial der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) für die europäische Gesundheitsbranche hervor, die sich auf dem Weg zur „Healthcare 4.0“ einer Reihe von Herausforderungen gegenüber sieht.

Der 66 Seiten starke Bericht wurde am 11. April vom EU Blockchain Observatory auf Twitter veröffentlicht. Insgesamt sind die Autoren der Studie zuversichtlich, was die Adoption der Blockchain-Technologie im Gesundheitswesen angeht, denn diese sei besonders kompatibel mit den grundsätzlichen Neuerungen im „Healthcare 4.0“, darunter Interoperabilität, Virtualisierung, Dezentralisierung, Echtzeit-Funktionalität, Service-Orientierung und Modularität. Die wichtigsten sieben Erkenntnisse der Studie sind:

  • Altes System, neue Herausforderungen

Je mehr wissensbasiert die Gesundheitsbranche wird, desto komplexer wird sie zugleich. Das kontinuierliche Aufkommen neuer Methoden und Verfahren macht sie deshalb anfällig für Fehler. Umso wichtiger ist es, flexible und digitalisierte Datenbanken zur Verfügung zu haben. Derartige Systeme sollten auch für Patienten, die ihre persönlichen Gesundheitsdaten einsehen wollen, einfach verständlich und benutzerfreundlich sein.

Zudem besteht noch immer das altbekannte Problem, dass Informationen in der Gesundheitsbranche oftmals in Datensilos voneinander abgetrennt sind. Der Forschungsbericht kommt in diesem Kontext zu dem Ergebnis, dass auf die Distributed-Ledger-Technologie gestützte Datensysteme viele der oben genannten Probleme lösen könnten.

  • Sinnvolle Zentralisierung

Im Gesundheitswesen ist sinnvolle Zentralisierung gewünscht, doch effektive Zentralisierung ist aus verschiedenen Gründen schwer zu erreichen. Die DLT könnte hier Abhilfe schaffen. Wie der Blockchain-Bericht erklärt, könnten Distributed-Ledger zum Beispiel die Nutzung von Medizintechnik innerhalb von Krankenhäusern und Praxen erfassen, um benötigte oder freie Kapazitäten aufzuzeigen und Patienten an die für sie besten Behandlungsstätten zu verweisen.

  • Effektiver Kampf gegen Fälscher

Einer der vielleicht größten Vorteile der Blockchain in der Gesundheitsbranche ist wahrscheinlich die Möglichkeit, effektiv gegen Medikamentenfälscher vorzugehen. Eine Thematik, die die Branche schon seit jeher plagt. So könnte die Technologie dabei helfen, jeden Schritt entlang der Lieferkette zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. Auch auf logistischer Ebene würde dies Vorteile mit sich bringen:

„Blockchains könnten als Datenbanken dienen, um die Authentizität von Impfstoffen und lebenswichtigen Medikamenten nachzuweisen, indem deren Weg von der Herstellung bis hin zur Ausgabe nachvollziehbar gemacht wird, was das Risiko von Falschabgaben und Fälschungen drastisch reduzieren würde.“

Besonders in pandemischen Notlagen, wie sie die Weltbevölkerung bis noch vor kurzem erfahren hat, könnte dieser Faktor umso schwerer wiegen.

  • Globale Blockchain

Die Gesundheit der Weltbevölkerung ist eines der wenigen Themen, bei dem auf globaler Ebene größtmögliche Kooperation herrscht. Auch hier kann die Blockchain-Technologie bei der Optimierung von Datenaustausch eine wichtige Rolle spielen.

Wie in der Techbranche sind Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen auch im Gesundheitswesen die Zukunft. Das effektive Zusammentragen von Informationen über verschiedene Gesundheitseinrichtungen hinweg ist dabei die Grundvoraussetzung, um zielführende Algorithmen für das Maschinelle Lernen zu bauen:

„Die Blockchain löst das Problem der föderalen Informationsverteilung, sie kann für Fairness sorgen und die Kooperation zwischen Gesundheitseinrichtungen fördern, indem sie aus lokalen Modellen globale Modelle macht, denn sie ermöglicht einen Austausch von Problemlösungen ohne konkrete Daten austauschen zu müssen.“

  • Datenschutz

Der Forschungsbericht äußert Zweifel daran, dass die Blockchain allein für einen ausreichenden Schutz der Patientendaten sorgen kann, denn wenn diese erst mal auf den Distributed-Ledgers vermerkt sind, sind sie nicht mehr zu löschen. Die Autoren schlagen deshalb vor, dass die Blockchain mit Off-Chain-Lösungen kombiniert wird, um dieses Problem zu lösen:

„Um der Datenschutzverordnung der EU Rechnung zu tragen, könnten Blockchain-Anwendungen an übergeordnete Datenbanken angebunden werden, damit der Austausch notwendiger Daten auf der Blockchain abgewickelt werden kann, während die eigentlichen Patientendaten außerhalb dieser gespeichert werden.“

  • Ein ermutigendes Fazit

Insgesamt kommen die Autoren der Studie zu dem Ergebnis, dass sie die Europäische Kommission ausdrücklich dazu auffordern, weiterhin die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit technische Innovationen im Gesundheitswesen wie die Blockchain-Technologie gefördert werden können. Dahingehend betonen sie, dass die DLT nicht nur eine neuartige technische Infrastruktur bietet, sondern einen völlig neuen Weg für den Umgang mit Daten aufzeigt und gleichsam Türen für wirtschaftliche Entwicklung öffnet.

Eine mögliche Bedrohung für Blockchain-Innovationen sehen die Forscher in der Politik, denn diese könnte mit besonders konservativen Regulierungsvorschlägen für ein Ausbremsen der Umsetzung sorgen. Dementsprechend müssten Regulierungsmaßnahmen regelmäßig überprüft werden, damit sie den neuesten Kenntnisstand um DLT in den politischen Debatten berücksichtigen können.

„Die Beaufsichtigung dezentralisierter Blockchain-Technologie erfordert eine frische Perspektive und ständige Weiterbildung, um verstehen zu können, wie diese Technologie in den derzeitigen und zukünftigen gesetzlichen Rahmen verankert werden kann.“

Das European Blockchain Observatory ist eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Initiative, die die europäische Innovation in Sachen Blockchain vorantreiben und die Debatte um Distributed-Ledger-Technologien in den EU-Mitgliedsstaaten anregen soll.

   

Source

Показать больше

Добавить комментарий

Ваш адрес email не будет опубликован.