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Die in El Salvador zwangsverordnete Bitcoin-Wallet „Chivo“ ist ein Mega-Flop – wie Bitcoin selbst

  • Die Bürger El Salvadors sind keineswegs so sehr an Bitcoin interessiert, wie in Medienberichten behauptet wurde. Die meisten haben ihr kostenloses „Chivo“-Wallet nur ein einziges Mal benutzt.
  • Die Zahl der Bitcoin-Kunden 2022 nicht zugenommen, und Bitcoin wird nur von wenigen gebildeten und gut situierten Leuten genutzt – aber das war schon vor der offiziellen Einführung so.

Die Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel war ein gewagter Schritt, selbst für den Hallodri Nayib Bukele, gelernter Webefachmann und exzentrischer Staatschef El Salvadors, der Fans und Kritiker gleichermaßen in Scharen anzieht. Doch wie ein neuer Bericht zeigt, hat sich die Bitcoin-Zwangseinführung nicht ausgezahlt, und die überwiegende Mehrheit der Salvadorianer denkt gar nicht daran, irgendetwas mit Bitcoin zu bezahlen, ganz gleich, wie das Wunschdenken von Bitcoin-Fan Bukele aussieht,
Der Bericht mit dem Titel „Are Cryptocurrencies Currencies? Bitcoin as Legal Tender in El Salvador“ untersuchte, wie sich das Bitcoin-Gesetz auf den Zahlungsverkehr und die Finanzlandschaft in dem zentralamerikanischen Land ausgewirkt hat, seit es im vergangenen Jahr in Kraft trat.

Mehr zum Thema: Das Bitcoin-Experiment – warum El Salvadors Versuch ein Fehlschlag ist

Die Ergebnisse sind niederschmetternd: Die Forscher fanden heraus, dass 60 Prozent der Bürger die staatliche Bitcoin-Wallet „Chivo“ einzig und allein wegen der darin befindlichen umgerechnet 30 Dollar heruntergeladen haben. Diese 60 Prozent der Bürger haben das Wallet dann ein einziges Mal benutzt: sie zahlten sich die geschenkten 30 Dollar aus – und das war es dann für sie mit Bitcoin.
Präsident Bukele hatte sich gründlich verkalkuliert, falls er je ernsthaft geglaubt hatte, dass er mit der Aktion die massenhafte Nutzung von Bitcoin in der Bevölkerung auslösen würde. 40 Prozent der Bürger nutzten das Wallet allerdings weiter, nachdem sie die 30 Dollar eingesackt hatten.

„Tatsächlich erfolgten 40 Prozent der Downloads im September 2021, und 2022 gab es praktisch keine Downloads mehr. Die Haupttriebkraft für die Akzeptanz ist Berichten zufolge der von der Regierung angebotene 30-Dollar-Bonus, der 0,7 % des jährlichen Pro-Kopf-Einkommens entspricht.“

Das US National Bureau of Research, das die Untersuchung durchführte, fand außerdem heraus, dass von den 40 Prozent der Bürger, die die Chivo-Brieftasche behalten haben, wiederum nur 20 Prozent aktiv zur Zahlung von Steuern oder für alltägliche Zahlungen nutzen. Und selbst von diesen 20 Prozent sagen wiederum nur 10 Prozent, dass sie dadurch weniger Bargeld- und/oder Bank-Kartenzahlungen getätigt haben.
Die Chivo-Wallet wird demnach von jungen, gebildeten und männlichen Salvadorianern mit Bankkonto verwendet. Dies steht im krassen Widerspruch zu der präsidialen Begründung für die Einführung von Bitcoin: Leute ohne Bankkonto sollten „fiananziell eingegliedert“ werden. Doch die Menschen, die Chivo nutzen, sind genau die, die sich auch die alten Systeme leisten konnten. Die Forscher fügten hinzu:

„Der wichtigste Grund, die App nicht herunterzuladen, ist, dass die Menschen lieber Bargeld benutzen, gefolgt von Vertrauensproblemen – die Befragten haben kein Vertrauen in das System oder in Bitcoin selbst.“

Auch als Kanal für Geldtransfers hat das Chivo/Bitcion-Gespann versagt. In dem Bericht heißt es: „Wir haben keine Beweise dafür gefunden, dass die Chivo Wallet in nennenswertem Umfang zur Zahlung von Steuern oder für Überweisungen benutzt wird.“

Doch genau das war ein weiterer Teil der Begründung für die unselige Bitcoin-Aktion von Präsident Nayib Bukele gewesen.

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