Mining

Steigende Energiekosten lassen die Gewinnmargen von Krypto-Minern schmelzen

Wegen steigender Stromkosten, des schwankenden Bitcoin-Preises und des Ukraine-Kriegs rechnen Krypto-Miner mit kleineren Margen.

Den Krypto-Mining-Unternehmen scheint die Krise zuzusetzen: Sie reizen Kredite aus oder beantragen Aktienverkäufe, um mehr Bargeld zu beschaffen. Marathon Digital Holdings und Hut 8 Mining gehören zu den jüngsten Unternehmen, die nun Aktien verkaufen wollen. Betrachtet man den Bitcoin-Preis von rund 41’000 Dollar, könnte sich das als gute Strategie erweisen.

Die Krypto-Mining-Branche ist aber auch verwöhnt: Die Gewinnmarge der grössten Akteure liegt noch immer über 70 Prozent. Das macht Bitcoin-Mining weitaus profitabler als die Luxusgüterbranche oder die Pharmabranche. 

Trotzdem steigt die Nervosität bei den Chefs der grössten Kryptounternehmen: «Seit ich vor 16 Monaten das Ruder übernommen habe, haben wir einen bilanzorientierten Ansatz verfolgt», sagt Hut-8-CEO Jaime Leverton gegenüber Blooomberg. «Ich habe angefangen, mich auf Diversifizierung zu konzentrieren, weil ich wusste, dass dieses Geschäft zyklisch ist, und weil wir sicher sein wollten, dass wir besser auf künftige Engpässe vorbereitet sind.» 

Der Bitcoin-Preis müsste immer noch erheblich fallen, damit Miner wie Hut 8 signifikante betriebliche Veränderungen oder den Verkauf ihrer Coins überhaupt erst in Betracht ziehen. Die Break-even-Rate variiert zwar stark. Bei Hut 8 lag sie im letzten Quartal bei knapp 18’000 Dollar. Der Bitcoin-Preis müsste also bis auf diese Summe fallen, damit kein Gewinn mehr käme. Riot Blockchain weist eine Rate von 10’000 Dollar und Marathon sogar nur 5000 Dollar auf. Analysten zufolge lagen die Gewinnmargen bei einigen Unternehmen bei über 90 Prozent, als Bitcoin sein Rekordhoch von rund 67’000 Dollar erreichte. 

Krieg macht Kryptowährungen einen Strich durch die Rechnung

Der Einmarsch der Russen in die Ukraine hat die globalen Märkte, die sowieso schon unter der Inflation ächzten, aber noch mehr getroffen. Erst wurde spekuliert, ob Kryptowährungen in unsicheren Zeiten an Beliebtheit gewinnen könnten – oder auch als Fluchtwährung verwendet werden könnten. Das hat sich auch auf die Aktien der grossen Krypto-Miner ausgewirkt. Sie haben sich nach dem grossen Einbruch im vergangenen November jetzt wieder stabilisiert.

Der Ukraine-Krieg bringt nun aber ganz andere Herausforderungen für die Kryptobranche mit sich: Die steigenden Energiekosten infolge des Krieges setzen die Gewinnmargen unter Druck. Strom macht den grössten Anteil der Ausgaben im Mining-Geschäft aus.

Dazu kommt ein möglicher Rückgang des Krypto-Minings in Russland. Dieses würde sich auf die gesamte Branche auswirken, wie damals beim Verbot in China. Wenn zahlreiche sogenannte Rigs vom Netz gehen, dann wird die globale Hash-Rate gesenkt. Die Hash-Rate misst die gesamte Rechenleistung in Proof-of-Work-Netzwerken wie Bitcoin und bildet eine wichtige Kennzahl für das Mining von Kryptowährungen. 

Russland gehört zu den grössten Mining-Nationen

Russland gehört laut Cambridge Centre for Alternative Finance zu den grössten Krypto-Mining-Nationen der Welt. In der Schweiz oder Mitteleuropa wäre das Bitcoin-Mining bei den aktuellen Strompreisen ein absolutes Minusgeschäft. Nicht aber in asiatischen Ländern, Russland oder eben auch China. Die Margen sind zwar enger geworden, aber wenn der Bitcoin nicht zu tief fällt, kann man immer noch profitabel arbeiten.

Auch Kasachstan hat sich in den letzten Jahren zur Mining-Hochburg entwickelt. Nun geht der Staat aber massiv gegen illegales Mining vor. Die Finanzmarktaufsicht des zentralasiatischen Landes teilte mit, man hätte Mining-Ausrüstung im Wert von über 200 Millionen Dollar beschlagnahmt. Über fünfzig Firmen hätten das Mining selbst aufgegeben, rund die Hälfte ist noch illegal tätig. Dabei sei auch illegal Strom bezogen worden. Von dem Exodus der digitalen Schürfer aus China hat Kasachstan enorm profitiert. Nach den USA ist das Land derzeit der zweitwichtigste Mining-Hotspot der Welt. Kasachstan kämpft aber auch mit Stromengpässen. Nun trat ein temporäres Mining-Verbot in Kraft.

Lohnt sich Bitcoin-Mining überhaupt noch?

Beim Bitcoin-Mining ist der Konkurrenzkampf gross. Letztlich entscheiden Algorithmen über Gewinn oder Verlust. Wichtig dabei ist die Hash-Rate. Dann stellt sich die Frage, wie teuer die Anschaffung eines Mining Rigs ist, also des Apparats zum sogenannten Schürfen. Und natürlich die Stromkosten.

Als im vergangenen Jahr prognostiziert wurde, der Bitcoin-Preis könne bis auf 100’000 Dollar steigen, gab es viele Investitionen in die Branche. Beflügelt durch die Hash-Rate strömten Unternehmen an die Börse. Insgesamt haben sie im vergangenen Jahr rund 3,8 Milliarden Dollar eingenommen, wie Galaxy Digital Research im Mining Report 2021 schreibt. 

Es ist zu vermuten, dass die globale Hash-Rate mit der Krise einen Einbruch erleiden wird. Laut Greg Lewis, Analyst bei BTIG, waren die weltweiten Hash-Raten seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine besonders volatil. Er beobachtete einen Rückgang am ersten Wochenende, bevor sie sich wieder erholten. Er weist darauf hin, dass Russland einen Anteil von 15 Prozent am weltweiten Hash-Rate hat.

«Miner, die weiterarbeiten, unabhängig davon, ob sie gross oder klein sind, schneiden besser ab, wenn die globalen Hash-Raten sinken», so Lewis. Wenn zum Beispiel die globalen Hash-Raten um 50 Prozent sinken, würde sich der Anteil eines Miners am globalen Hash verdoppeln, unabhängig davon, ob er 1 Prozent oder nur einen Bruchteil davon besitzt.

Andere Märkte erobern

Würde der Bitcoin-Preis unter 20’000 Dollar fallen, müssten zahlreiche Kryptounternehmen umsatteln – und sogar Bitcoin-Bestände verkaufen, sagt der Chef von Riot Blockchain, Jason Les. «Wir planen, unsere bestehenden Expansionspläne fortzusetzen, egal wie die Marktbedingungen sind», sagte Les. «Mit der zunehmenden Reife der Branche stehen einem Mining-Unternehmen immer mehr Instrumente zur Finanzierung zur Verfügung.»

In den USA, welches China letztes Jahr den Rang abgelaufen hat, ist die Branche inzwischen sehr professionell. Das liegt einerseits an der Rechtsgrundlage in den USA, den günstigen Marktbedingungen und der einfachen Kapitalbeschaffung. Kapital für Anlagen beschafft man sich per Spac-Merger mit börsennotierten Unternehmen und ist dann am Nasdaq gelistet. Bereits dieses Jahr steht wieder eine Handvoll für das Listing an. 

Wie auch der Kryptomarkt professionalisiert worden ist, so haben auch die Miner trotz den knappen Gewinnmargen heute mehr Möglichkeiten als noch vor ein paar Jahren: Sie können sich Kredite sichern, indem sie ihre digitalen Vermögenswerte darlegen. Dafür können sich Mining-Unternehmen auch mit anderen Branchen zusammenschliessen, so etwa aus dem Gaming-Sektor. Dazu kommen auch Aktivitäten auf anderen Blockchains, so etwa Ethereum. «Unsere Bitcoin-Bestände sind in den letzten Jahren wertvoller geworden. Ein Teil unserer Bitcoins erwirtschaftet eine Rendite, die reines Ebitda ist. Wir können sie als Sicherheiten verwenden, um bei Bedarf Zugang zu den Kreditmärkten zu erhalten», sagte Leverton von Hut 8. 

Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, wollen die Mining-Unternehmen möglichst rasch wachsen. Auch wenn der Bitcoin-Preis noch weiter fallen würde, können die Mining-Betreiber sich weiterhin neue Geräte beschaffen und Rigs ans Netz anschliessen, um das Schürfen noch schneller zu machen – das wiederum führt zu mehr Gewinn. 

Dieses Interview erschien zuerst im Digitalangebot der «Handelszeitung» unter dem Titel: «Den Krypto-Minern schmelzen die Gewinnmargen weg»

   

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