Altcоins

Tether, USDC und MakerDAO distanzieren sich von Terras gescheitertem UST-Stablecoin

  • Nach Ansicht des Tether-CTOs verwenden manche  Projekte die Bezeichnung „Stablecoin“ zu Unrecht und er fordert eine Abgrenzung von „echten“ Stablecoins.
  • Ein Circle-Manager sagt, der Begriff „Stablecoin“ habe ausgedient und man müsse sich fragen, ob algorithmische Stablecoins zu derselben Anlageklasse gehören.

Das Terra LUNA- und UST-Desaster hat das Vertrauen von Outsidern in die gesamte Kryptobranche und von Insidern in die Stablecoins erschüttert. Allerdings legen die Protagonisten der anderen Stablecoin-Projekte wert darauf, dass sie nicht wie UST sind und dass Stablecoin nicht gleich Stablecoin ist.

LUNA ist abgestürzt, steuerte in einer Todesspirale auf den Nullpunkt zu und war nicht in der Lage, wie beabsichtigt als ausgleichendes Gegengewicht für UST zu funktionieren. Bei Redaktionsschluss ist UST auf 17 Cent gefallen, nachdem es in der vergangenen Woche einen Kursverlust von 83% gab. LUNA fiel sogar auf 0,0002276 Dollar, also praktisch Null.

(LUNA’s price performance over the past week).

Dieser Absturz lässt Zweifel an der Idee der Stablecoins aufkommen, doch Dan Disparte, Chief Strategy Officer bei Circle, weist darauf hin, dass nicht alle Stablecoins gleich sind. Circle ist das Unternehmen hinter USDC, dem zweitgrößten Stablecoin auf dem Markt mit einer Marktkapitalisierung von 50 Milliarden Dollar. Während der Kursstürze gelang es USDC, seine Dollar-Bindung zu sichern. Im Gegensatz zu UST ist USDC vollständig durch Dollar- und andere Reserven gedeckt.

In einem Interview sagte Disparte, man müsse unbedingt zwischen den mit Vermögenswerten unterlegten Stablecoins und ihren algorithmischen Pendants unterscheiden. Für Experten ist das eine Binsenweisheit, nicht jedoch für viele Anleger und offenbar auch nicht für etliche Regulierungsbehörden.

Disparte bemerkte im einzelnen:

„Ich denke, dass es eine Diskussion über die Abgrenzung gibt, dass der Kunstbegriff „Stablecoin“ wahrscheinlich ausgedient hat. Es ist eine Diskussion über die Frage gerechtfertigt, ob algorithmische Stablecoins überhaupt in die Klasse der Instrumente gehören, die den bestehenden Vorschriften unterliegen. Gehören sie in den Bereich, der reale Verbraucher und reale Zahlungen betrifft?“

Asset-backed Stablecoins haben aber auch ihre Kontroversen. Tether zum Beispiel wurde vorgeworfen, Geld an seine Schwesterfirma Bitfinex verliehen zu haben, ohne die Investoren zu informieren, und es wird behauptet, dass sein USDT-Stablecoin nicht vollständig gedeckt sei, obwohl das Unternehmen die Vorwürfe bestreitet. Algorithmische Stablecoins sollten solche Ungereimtheiten beseitigen, indem sie die zentrale Instanz abschaffen und den gesamten Prozess auf Mathematik, Algorithmen und Spieltheorie verlagern. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse ist dies offenbar auch nicht die Lösung des Problems.

Nur dem Namen nach stabil

USDC ist nicht das einzige Stablecoin-Projekt, das sich von dem UST-Debakel distanziert. Tether, das größte Stablecoin-Projekt, will ebenfalls nichts mit dem gescheiterten Projekt von Terra zu tun haben. Paolo Ardoino, CTO von Tether und Bitfinex, sagte kürzlich auf einem Twitter Space, dass es eine Trennung zwischen mit Vermögenswerten besicherten und algorithmischen Stablecoins geben müsse.

„Wir würden gerne eine Kategorisierung von Stablecoins sehen, wobei es natürlich die zentralisierten Stablecoins gibt – und Tether ist der größte – und es gibt algorithmische Stablecoins. Ich glaube, dass es für den Anlegerschutz wirklich wichtig ist, Richtlinien zu haben.“

Tether hat eine Marktkapitalisierung von 76,6 Milliarden Dollar und damit die drittgrößte Kryptowährung nach Bitcoin und Ethereum. USDT ist auch bei Händlern äußerst beliebt und verzeichnete gestern Tag ein Transaktionsvolumen von 72 Milliarden Dollar, mehr als die nächsten fünf Kryptowährungen zusammen.

Ardoino möchte, dass die Regulierungsbehörden algorithmische Stablecoins anders behandeln als Tether und andere anlagengesicherte Kryptowährungen. Bislang hätten sich die Regulierungsbehörden auf die falschen konzentriert und die Problemkandidaten ignoriert, sagt er:

„Das sind die, die in die Luft gehen, und deshalb denke ich, es ist ein Assoziationsproblem. Es ist ein „nur-dem-Namen-nach-stabil“ Problem. Aber das Risiko, das sich manifestiert hat, ist genau der Grund, warum die politische Diskussion über diese Art Themen so wichtig ist.“

Selbst unter den algorithmischen Stablecoins gebe es noch Unterschiede zwischen den verschiedenen Projekten, fügt der CEO von Balancer Labs, Fernando Martinelli hinzu. Balancer Labs ist ein Ethereum-basierter automatisierter Market Maker im DeFi-Bereich mit einem Gesamtwert von über 2,2 Milliarden US-Dollar.
Martinelli erklärte:

„In dieser Kategorie der algorithmischen Stablecoins gab es schon immer ein Fragezeichen. Man kann nicht sagen, ob ein algorithmischer Stablecoin keine Substanz hat oder nicht gut konzipiert ist. Es gibt algorithmische Stablecoins, die in hohem Maße besichert sind, aber eben nicht alle.“

Wohin also mit den algorithmischen Stablecoins? UST könnte die Aussichten für andere Stablecoins auf absehbare Zeit ruiniert haben. Es ist noch nicht geklärt, ob das gesamte Feld gescheitert ist, oder ob man UST als Einzelfall ansehen wird.

John Paul Koning, ein Forscher auf dem Gebiet der monetären Ökonomie, glaubt, dass sich die Idee generell als Katastrophe erwiesen hat:

„Es ist an der Zeit, algorithmische Stablecoins nicht länger als technische Herausforderung zu betrachten – etwa zu denken,  dass nach ein paar Fehlschlägen ein erfolgreiches, iteratives Produkt entsteht – sondern sie stattdessen als grundsätzlich fehlerhafte Produkte zu betrachten. Das heißt sie können nicht durch technische Maßnahmen korrigiert werden.“

Mehr zum Thema: Finanzstarker Vermögensverwalter will Terras UST-Stablecoin mit bis zu drei Milliarden Dollar retten

   

Source

Показать больше

Добавить комментарий

Ваш адрес email не будет опубликован.