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US-Dollar: Wie viel Leitwährung steckt noch im Greenback?

Zweifelsfrei ist der US-Dollar die aktuelle Weltreservewährung. Allerdings besteht Grund zur Annahme, dass der US-Dollar seinen Zenit überschritten hat und sich seine Dominanz auf dem Rückzug befindet. Wie US-Dollar-Stablecoins den Leitwährungsstatus konservieren und warum Bitcoin in Zukunft immer öfter Teil der staatlichen Devisenreserven werden dürfte.

Die Zeit einer unipolaren Weltordnung, in der die USA als Hegemonialmacht politisch, wirtschaftlich und militärisch das Weltgeschehen bestimmt haben, ist vorbei. Zwar besitzt die USA das größte Militär und Bruttoinlandsprodukt, doch driftet die Welt immer mehr in eine multipolare Weltordnung ab. Soll bedeuten, dass sich die Macht deutlich stärker auf mehrere Parteien verteilt, wobei Asien eine besonders dominante Rolle einnehmen dürfte. Vor genau diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich nun der US-Dollar in den nächsten Jahren entwickelt.

Wie dominant ist der US-Dollar?

Im internationalen Devisenhandel ist zu rund 70 Prozent der US-Dollar als Währung involviert. Oder anders formuliert: Von den zehn größten Währungspaaren beinhalten sieben den US-Dollar. Auch als Reservewährung für andere Volkswirtschaften belegt der US-Dollar mit 60 Prozent ganz klar den ersten Platz. Weit abgeschlagen folgt der Euro, dessen Anteil als Weltreservewährung rund 21 Prozent beträgt. Kurzum: In keiner anderen “Disziplin” fällt die US-Dominanz stärker ins Gewicht als in der Kategorie Währung.

Dass die USA, trotz eines wirtschaftlich immer weiteren Zurückfallens hinter China, die mächtigste Nation der Welt ist, liegt vor allem an ihrem Exportschlager: dem US-Dollar. Die Auslandsnachfrage nach US-Dollar sorgt unter anderem dafür, dass der Greenback trotz bisher expansiver Geldmengenausweitung sehr stabil bleibt. Damit Wohlstand und militärische Sicherheit beibehalten werden können, muss die USA, ähnlich wie ein Unternehmen, besonders erfolgreich im Vertrieb- und Marketing seiner eigenen Währung sein.

These: USD-Dominanz fällt bis 2025 unter 50 Prozent

Das Aufkommen stärkerer Konkurrenzprodukte (US-Dollar-Alternativen), ein zunehmender Vertrauensverlust (bedingungsloser Zugriff auf Devisenreserven) sowie abnehmende Qualitätseigenschaften (Wertstabilität bzw. Ausbleiben hoher Inflation) setzen den US-Dollar immer stärker unter Druck.

Daraus ergibt sich die These, dass der Anteil des US-Dollar an den weltweiten Reservewährungen von 60 Prozent auf unter 50 Prozent bis 2025 fällt. Auch könnte der Anteil am aktuellen Devisenhandel von 70 Prozent auf unter 60, gar 50 Prozent fallen. Natürlich ist dies reine Spekulation, dennoch sollen die Zahlen eine Tendenz untermauern, die auf nachfolgenden Beobachtungen fußt.

Not your central bank, not your money

Unter Bitcoin-Enthusiasten gilt der Leitspruch: Not your keys, not your coins. Die Aussage spielt auf die Wichtigkeit der Eigenverwahrung von digitalen Assets ab. Die Unabhängigkeit von Intermediären soll dadurch betont werden. Was für Bitcoin-Anleger gilt, gilt, wie wir am Beispiel Russlands sehen, auch für Staaten. Schließlich haben die USA alle US-Dollar-Reserven Russlands eingefroren. Ein schwerer Schlag für den Despoten Putin, der nun nicht mehr an seine US-Dollar-Einlagen kommt.

Im Gegensatz zu Bitcoin gibt es bei Fiatgeld in letzter Instanz immer einen Intermediär, und der nennt sich Zentralbank. Entsprechend ist jeder Staat bei einer Fremdwährung immer einem Counterpartyrisk ausgesetzt. Durch den Präzedenzfall Russlands dürften daher viele andere Nationen, die ein angespanntes Verhältnis zu den USA besitzen respektive Angst vor Sanktionen haben, in Zukunft ihre US-Dollar-Reserven tendenziell reduzieren. Eine Schwächung des US-Dollars wäre dadurch die Folge. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage: wohin sonst mit dem Geld? Schließlich löst man als Staat seine Abhängigkeit nicht, indem man stattdessen in eine andere Fiatwährung wechselt. Der Schaden für die USA, so groß er durch das Einfrieren der russischen Reserven auch ist, dürfte sich vorerst in Grenzen halten.

Inflationsbekämpfung ist das beste Marketing

Dass die USA eine inzwischen strengere Geldpolitik umsetzen als die Eurozone, dürfte im Leitwährungs-Kontext auch mit der aktuellen Inflation zu tun haben. Um weiterhin viele US-Dollar exportieren zu können, muss dieser eine grundsätzliche Wertstabilität besitzen. Um “Exportweltmeister” bleiben zu können, muss die amerikanische Zentralbank unter anderem stärker gegen die Inflation ansteuern als die europäische und japanische Zentralbank. Eine entschlossene Inflationsbekämpfung ist immer auch ein starkes Marketing, um zu signalisieren: Unserer Währung kann man auch in Zukunft vertrauen.

Wenn Staaten Bitcoin entdecken

Seit über 15 Jahren hat Russland seine Gold-Bestände stark ausgeweitet. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges erscheint die Aufstockung rückblickend als logisch nachvollziehbar. Für Staaten ist Gold der einzige Geldersatz zur eigenen Landeswährung, der ohne das Third-Party-Risiko auskommt. Natürlich könnte man dies auch von anderen Edelmetallen und Rohstoffen behaupten, allerdings sind diese weniger als Wertspeicher oder Geldersatz geeignet als Gold.

Durch den “Russland-Trigger” könnte Bitcoin daher eine strategisch wichtige Funktion in der Diversifizierung der Devisenreserven einnehmen. Um sich stärker vom US-Dollar zu emanzipieren, könnte neben Gold daher auch verstärkt Bitcoin von den Staaten als Vermögensreserve nachgefragt werden. Nicht nur bietet Bitcoin einen Inflationsschutz, auch ist er nicht vom Wohlwollen anderer Staaten abhängig.

Zudem verliert Bitcoin durch Experimente wie in El Salvador seine Gefährlichkeit für den Staat. Die Chancen, dass Bitcoin auf absehbare Zeit eine stabile Währung wie den US-Dollar oder Euro ersetzt, ist aufgrund seiner viel zu hohen Volatilität sehr gering. Auch in El Salvador zahlen die Menschen nur in den seltensten Fällen mit Bitcoin. Stattdessen bevorzugen sie den US-Dollar, der dort als Ersatz für die nicht mehr existente Landeswährung herhält. Daraus lässt sich wiederum die These ableiten, dass US-Dollar-Stablecoins dabei helfen können, den US-Dollar-Leitwährungsstatus dort zu festigen. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen bereits verstärkt auf Krypto-Infrastrukturen gesetzt wird.

Hohe Abhängigkeit, geringes Risiko: Lateinamerika prescht mit Bitcoin voran

Die Wertstabilität und Halbwertszeit (Dauer bis zur nächsten Währungsreform) der meisten lateinamerikanische Fiatwährungen ist gerade zu katastrophal. Neben der oftmals strukturschwachen Wirtschaft ist dies sicherlich ein Grund, warum der US-Dollar so präsent in Ländern wie El Salvador ist. Ebenjene Kombination ist es, die erklären könnte, dass nun Länder wie Honduras oder Mexiko ebenfalls auf den Bitcoin-Zug aufspringen möchten.

US-Währungshüter Jerome Powell und seine Vorgängerin, die heutige US-Finanzministerin Janet Yellen, bekommen nicht nur Druck aus den lateinamerikanischen Ländern durch Bitcoin. Noch bedrohlicher dürfte der Aspekt sein, dass der Anteil des US-Dollar an Rohstoffgeschäften – jetzt noch einmal beschleunigt durch Russland – weiter abnimmt. So rückt auch China immer stärker davon ab, Rohstoffgeschäfte in US-Dollar zu bezahlen.  

Digitaler US-Dollar: Produktoptimierung

Umso wichtiger ist es für die USA, neben einer guten Geldpolitik, auch im digitalen Fiatwährungsbereich globale Standards zu schaffen. Damit sind sie bereits auch sehr erfolgreich. So beträgt der Anteil an Stablecoins mit US-Dollar-Basiswert über 90 Prozent. Insbesondere Tether (USDT) ist damit ein unbeabsichtigter Exportschlager der amerikanischen Notenbank, auch wenn die Initiative und Umsetzung von der Privatwirtschaft ausgeht. Schließlich schaffen die US-Dollar-Stablecoins, sofern sie physisch mit US-Dollar-Einlagen wie Guthaben oder Staatsanleihen gedeckt sind, eine zusätzliche US-Dollar-Nachfrage.

Die meisten Krypto-Trader aus dem Euro-Raum haben bereits durch das Halten von USDT oder anderen US-Dollar-Stablecoins für eine zusätzliche Auslandsnachfrage gesorgt. Die Tokenisierung des US-Dollar, sowohl als Stablecoin als auch perspektivisch vom Staat als CBDC (digitale Zentralbankwährung), könnte damit zu einem der wichtigsten Mittel avancieren, um den Leitwährungsstatus zu erhalten.

   

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